Nonverbale Sprache - 55%

Damit ist die Körpersprache gemeint. Also die Sprache ohne Sprache. Was aber nur auf dem ersten Blick so scheint. In Wahrheit ist unser Körper sehr redselig. Versuchen wir mit der verbalen Sprache - dem gesprochenen Wort - etwas anderes zu sagen, als unser Körper, werden wir meist der Falschaussage entlarvt. Meist jedoch ist unser Körper viel schneller mit seiner Sprache, als es das gesprochene Wort aussprechen kann. Wer die Signale anderer zu lesen vermag, kann Reaktion in Agition wandeln und sein Gegenüber für sich gewinnen.

Im täglichen Kundenumgang, bei Reklamationen oder im Verkauf, im Umgang mit seinen Mitarbeitern, seinem Team oder bei der Präsentation - bei vielen Gegebenheiten - kann dieses Gold wert sein!

Kann doch eh keiner...!

 Bild: Uta Herbst / pixelio.de
Bild: Uta Herbst / pixelio.de

Stimmt. Die allermeisten von uns setzen ihre Körpersprache nach dem Zufallsprinzip ein. Was eigentlich erstaunlich ist, da wir die ersten Schritte unseres Lebens seinerzeit mit einem Schreiorgan und unserer Körpersprache verbracht haben. Damals war alles noch unverfälscht. Es war notwendig für unser eigenes Überleben, dass einwandfrei erkannt wurde, dass wir Hunger hatten, uns etwas weh tat oder wir einfach nur schlafen wollten. Die Natur war dabei so freundlich, uns mit sehr einfachen Strukturen auszustatten, so das Erwachsene problemlos unsere Körpersprache entziffern konnten.

Erst später haben wir gelernt, dass es Sinn machen kann, unsere Körpersprache zu verschleiern. Ich lernte mit der Botschaft, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt, meine Enttäuschung zu verstecken. Damals schon wollte ich cool wirken und mitteilen, dass ich das doch schon längst wusste. Damals ist mir auch aufgefallen, dass mein Freund beim Lügen immer einen hochroten Kopf bekam. Das schien mir zu verräterisch und trainierte mir das perfekte Lügen an. Wäre ich Trickbetrüger geworden, wäre das sogar nützlich gewesen. So bin ich als Kind bei allen verbotenen Sachen trotzdem aus unerfindlichen Gründen immer erwischt worden. Wie machen Erwachsene das bloß, dass sie einen stets durchschauen...?

Wir haben die Grundstrukturen tatsächlich als Kinder gelernt. Und erst später begonnen, diese Mechanismen zu verstecken, weil wir erfahren haben, dass bestimmte Handlungen besser nicht so offensichtlich sinnvoll sind oder das gezeigte Schwäche Prügel auf dem Schulhof nach sich zogen, etc. Erinnern wir uns aber zurück, wissen wir, dass das nicht immer so funktionierte. Denn irgendwie lügt der Körper nie. Es ist lediglich eine Frage, wie gut wir uns die Lüge anerzogen haben oder gelernt haben, sie doch zu erkennen.

Gespräche beeinflussen

Photo by Olga Guryanova on Unsplash

Während meiner Ausbildung ging mein damaliger Praktikumsbetrieb pleite. Ich brauchte ganz schnell einen neuen Betrieb. Ich rief damals bei einer großen Versicherung an und schaffte per Telefon zumindest ein Vorstellungsgespräch. Die weiteren Voraussetzungen waren äußerst schwierig: zwischen dem Personalverantwortlichen und mir waren zwei Tische längs aneinandergestellt. Das kam mir vor wie ein Fußballfeld und die Interaktion war entsprechend schwer.

Mitten im Gespräch bemerkte ich an den Körpersignalen meines Gegenübers, dass er sich immer mehr von mir abwandte, das Gespräch und mich ausbremste, sich von mir entfernte, noch mehr Distanz aufbaute und sich verschloss. Es sah nicht gut aus. Der Doppel-Tisch brachte mich zur Verzweiflung. Dennoch schaffte ich es, die Distanz zu überwinden, näher an ihn heranzurücken, mich zu öffnen und ihn langsam wieder auf meine Seite zu ziehen.

Ich bekam am Ende den Praktikumsplatz, war sogar kurzeitig im Gespräch zu einer sofortigen Übernahme für einen Posten, den ich damals noch gar nicht hätte ausfüllen können. Ich selber war nach diesem Gespräch fix und alle. Im übertragenden Sinne "Schweiß überströmt" - aber der Arbeitsplatz war einer der besten, die ich je hatte. Es hatte sich wahrlich gelohnt!

Es macht also Sinn das lesen und sprechen zu üben...

 

JoomSpirit