Nonverbale Sprache - 55%

Damit ist die Körpersprache gemeint. Also die Sprache ohne Sprache. Was aber nur auf dem ersten Blick so scheint. In Wahrheit ist unser Körper sehr redselig. Versuchen wir mit der verbalen Sprache - dem gesprochenen Wort - etwas anderes zu sagen, als unser Körper, werden wir meist der Falschaussage entlarvt. Meist jedoch ist unser Körper viel schneller mit seiner Sprache, als es das gesprochene Wort aussprechen kann. Wer die Signale anderer zu lesen vermag, kann Reaktion in Agition wandeln und sein Gegenüber für sich gewinnen.

Im täglichen Kundenumgang, bei Reklamationen oder im Verkauf, im Umgang mit seinen Mitarbeitern, seinem Team oder bei der Präsentation - bei vielen Gegebenheiten - kann dieses Gold wert sein!

Die Hände - ein Irrtum der Evolution?

Wer kennt das nicht: da geht man kraftvoll irgendwohin hin, fühlt sich gut, könnte locker den einen oder anderen Baum unterwegs ausreißen und ist sich sicher heute den Saal zu rocken! Und dann betritt man den Ort des Geschehens und als erstes kommt einen in den Sinn: wohin mit meinen Händen?

Das ist immer der Zeitpunkt, wo ich ein Vogel sein möchte. Die Evolution erlaubt den Vögeln ihre Flügel einfach auf den Rücken gemütlich zusammenzufalten und eins zu werden mit dem restlichen Gefiederkörper. Bei uns Menschen war die Evolution nicht so großzügig. Unsere Arme hängen von Haus aus unschön am Körper herab und alle Welt schaut natürlich genau dann, wenn wir das am wenigsten möchten, schnurstracks auf unsere langen Arme und Hände.

Okay, wir können sie, den Vögeln gleich, auf dem Rücken verschränken. Laut Körpersprache bedeutet das völlige Offenheit - und völlige Auslieferung bei eventuellen Angriffen. Das geht natürlich nicht. Schutz muss sein! Also Hände in die Hosentasche stecken? An der Stelle schimpft immer jeder Körpersprache-Dozent - und ich auch.

Eine Bekannte hat mir vor einem unserer Seminare ganz stolz erzählt, sie hätte eine Hose ohne Hosentaschen angezogen, um gar nicht erst in Versuchung zu kommen. Das ist auch so ein Irrtum der Evolution. Es gibt für Männer keine Hosen ohne Taschen. Das ist ein reines Frauending. Männer waren früher mal die Jäger und müssen demzufolge diverse Dinge mit sich herumschleppen: Bindfaden, Gummibänder, Zwille und das Schweizer Taschenmesser. Männer werden somit evolutionsbedingt verleitet, die Hände in die Hosentasche zu stecken. Allerdings hat die Evolution uns im Laufe der Zeit einen Anzug als Jagdkleidung spendiert und Herrn Knigge freundlicherweise erfunden, was zumindest uns Männern dann wieder einen kleinen Vorsprung gestattet: wir dürfen eine Hand in die Hosentasche stecken. Die andere dezent angewinkelt, können wir mit ihr "sanft" gestikulieren und sie damit beschäftigen.

Eine Hand weg + eine beschäftigt = gerettet!

Frauen sind aber hier benachteiligt. Zum einen ahnte Herr Knigge seinerzeit sicherlich nicht, dass auch Frauen eines Tages einen Anzug tragen werden und zum anderen braucht eine Frau auch nicht in Hosentaschen zu fassen, weil dort nichts ist, wo man kontrollieren müsste, ob man - beispielsweise - seine Zwille mithat. Bis auf Taschentücher. Männer haben aus unerfindlichen Gründen nie Taschentücher mit, aber das Nasehochziehen geradezu perfektioniert.

Aber ich schweife ab...

Verschränken könnten wir noch unsere Arme. Damit haben wir dann auch gleich den sicheren Stand. Der Fels in der Brandung, wie ich das immer nenne. Aber ganz zu Anfang gleich ein unüberwindbares Hindernis darzustellen, obwohl wir ja eigentlich etwas präsentieren wollten, erscheint auch nicht unbedingt sinnvoll. So komme ich nicht in das "Herz des Zuhörers".

Was also tun mit den Händen?

Ich selber benutze eine ganze Bandbreite von Techniken. Ich bewege mich auf der Präsentationsbühne. Durch die Bewegung kann ich auch meine Hände vielfältig beschäftigen und ich wirke locker und selbstsicher gegenüber meinen Zuhörern (und -sehern). Zwischendurch nutze ich den Vorteil der einen-Hand-in-die-Hosentasche, ich unterstreiche meine Worte mit Gesten und ich stehe auch gern mit auf-dem-Rücken-verschränkten-Armen da. Völlig offen, aber mit Charisma deutlich machend, dass es ein fataler Fehler wäre, mich anzugreifen. Wer selbstsicher agieren kann, kann auch die Deckung aufgeben, bzw. kann die Deckung auf eine andere Ebene verlagern. Das Publikum dankt durch erhöhte Aufmerksamkeit und achtet nach bereits kurzer Zeit nicht mehr auf die Hände. Spätestens wenn wir selber sie völlig vergessen haben, weil die Präsentation wie "Schmitz Katze läuft".

Und ganz ehrlich: Die Zeitspanne, bis uns die Hände egal sind, ist meist kürzer, als wir denken ;-)

JoomSpirit