Nonverbale Sprache - 55%

Damit ist die Körpersprache gemeint. Also die Sprache ohne Sprache. Was aber nur auf dem ersten Blick so scheint. In Wahrheit ist unser Körper sehr redselig. Versuchen wir mit der verbalen Sprache - dem gesprochenen Wort - etwas anderes zu sagen, als unser Körper, werden wir meist der Falschaussage entlarvt. Meist jedoch ist unser Körper viel schneller mit seiner Sprache, als es das gesprochene Wort aussprechen kann. Wer die Signale anderer zu lesen vermag, kann Reaktion in Agition wandeln und sein Gegenüber für sich gewinnen.

Im täglichen Kundenumgang, bei Reklamationen oder im Verkauf, im Umgang mit seinen Mitarbeitern, seinem Team oder bei der Präsentation - bei vielen Gegebenheiten - kann dieses Gold wert sein!

Der Airbag der Urmenschen

Einer meiner Kunden baut PC-Karten. Natürlich ganz besondere. Schließlich handelt es sich um einen von sieben Betrieben, die sich den Weltmarkt dafür teilen. Ganz stolz zeigte mir also mein Kunde eine seiner PC-Karten. Als Anwenderentwickler bin ich ja nun überhaupt nicht bewandert mit Hardware. Ich nutze sie, aber sie zusammenzubauen kommt mir nicht wirklich in den Sinn.

Diese Vorführung nun haute mich aber beinahe aus den Socken. Zumindest drohte ich völlig unkontrolliert nach hintenüberzukippen. Und das nur wegen der Steinzeitmenschen. Die haben sich nämlich damals als Überlebenstaktik den Sicherheitsabstand ausgedacht. Quasi den Airbag der Urmenschen.

Dieser Sicherheitsabstand ist ziemlich genau eine Armlänge lang und endet an Armesende mit einer Faust. Durchbricht jemand diese Sicherheitszone dringt er damit in die Intimsphäre ein und muss jederzeit mit Gegenmaßnahmen rechnen. Unter den Steinzeitmenschen galt hier das Faustrecht. Ganz ohne Keule musste man mit blauen Augen rechnen.

Heute sind wir ja gemeinhin etwas friedlicher unterwegs, zumeist auch ohne Keule. Heute gilt erst einmal ausweichen als oberstes Gebot. Ganz so, wie wir es auch im Autoverkehr machen. Statt einfach draufloszuhalten und in Autoscootermanier unser Recht auf unsere Intimsphäre zu behaupten, versuchen wir dem ganzen aus dem Weg zu gehen. Eben unsere natürliche Schutzzone zu schützen.

Und genau so war meine Reaktion auch, als mir mein Kunde sein kleines technisches Wunderwerk zeigen wollte. Er durchbrach versehentlich meine Intimsphäre - und ich wich aus. Mangels Bewegungsfreiheit führte das zu einer ganz kurzen und völlig unkontrollierten Ausweichsequenz nach hinten. Glücklicherweise erkannte ich rechtzeitig mein Bewegungsmuster und verstand auch, was ich da eigentlich gerade machte und konnte mich selbst auffangen. Stand dann aber etwas windschief in der Landschaft, weil mein Kunde sich mitten in meiner Schutzzone aufhielt.

Es war verdammt anstrengend mich zu zwingen, meine eigene Intimsphäre komplett aufzuheben und kerzengerade und erdverwachsen mich zu behaupten. Mein Kunde musste seinerseits seine eigene Deckung natürlich dabei auch aufgeben. Was mich mit einer gewissen Genugtuung erfüllte. Ich war einfach davon überzeugt, im Zweifelsfalle der bessere Steinzeitmensch zu sein!

 

JoomSpirit