Extraverbale Kommunikation - Bevor es überhaupt beginnt

Falsche Kleidung, falsche Uhrzeit

Der Vollständigigkeit wegen soll hier auch die extraverbale Kommuniktion zumindest erwähnt werden.

Wählt man die falsche Zeit, falsche Kleidung oder andere ungünstige äußere Merkmale, so kann die Kommunikation schneller erledigt sein, als uns lieb ist. Quasi noch bevor wir eigentlich kommunizieren können, ist schon alles vorbei.

Wenn ich weiß, dass mein Gesprächspartner kein Morgenmensch ist, dann werde ich stets bemüht sein, Termine spät zu legen.

Bei Geschäftsterminen hat sich die Krawatte eingürgert. EIn Anzug macht oft Sinn. Andererseits: weiß ich um mein Gegenüber und das er eher weniger konventionell lebt, kann eine Jeans mit legeren Hemd manchmal deutlich mehr erreichen.

Durch unglückliche Äußerlichkeiten kann ich so viele "Minuspunkte" sammeln, dass eine weitere Kommunikation sehr schwer wird. Andererseits kann ich aber durch richtige Äußerlichkeiten stark "punkten"...

Es hat einen Grund, dass wir Männer bei unangenehmen Nachrichten gern einen Blumenstrauß für unsere Liebste mitbringen...

Schlechte Nachrichten werden eher auf den Abend, als auf den Morgen gelegt. Sogar eine Kündigung ereilt uns seltenst am frühen Vormittag!

In Leder, Lack und Latex zum Vorstellungsgespräch? Eher nicht...

Und da geht noch viel mehr...

Overdressed

Ich

Es ist ziemlich lange her. Ich befand mich mitten in meiner Umschulung und hatte ein Vorstellungsgespräch in einer IT-Firma. Ein interessanter Job. Datenbanken, Programmierung, eigenes System - es versprach spannend zu werden.

Gegenüber saß mir der Geschäftsführer. Jung an Jahren und sichtlich unwohl in seiner Haut. Das erste, was er zu mir sagte, war eine dahin genuschelte Entschuldigung, dass er keine Krawatte tragen würde. Sonst natürlich immer, aber gerade heute, wo ich da war, nicht.

Erstaunlicherweise löste diese Offenbarung wiederum Unsicherheit bei mir aus - ich fühlte mich overdressed. Dabei ist es weit verbreitet, sich vernünftig anzuziehen als Bewerber und ich habe das mal so gelernt, dass zum Bewerbungsgespräch eine Krawatte dazu gehört. Dazu hatte ich eine passende Jeans an - also sooo vornehm war ich nun auch nicht gerade gekleidet.

Aber der junge Chef entschuldigte sich bei mir.

Damit nicht genug, fragte er mich später, ob ich Probleme hätte, Weisungen von Jüngeren anzunehmen. Ungeachtet, dass ich die Frage gar nicht verstand, schien zu reichen, dass ich ein paar Jährchen mehr auf den Buckel hatte, ein bisschen mehr an Lebenserfahrung dabei hatte und eine Krawatte trug. Selten das ich so viel Unsicherheit in einer knappen halben Stunde erlebte!

Im Prinzip hätte ich den Job haben können, aber ich fühlte mich nicht gut dabei.

Die Firma hat das "Dot-Com-Sterben" übrigens nicht überlebt...

JoomSpirit